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Das Kunstexperiment von 2009, das die "Fake News"-Ära vorwegnahm

Im Jahr 2009, lange bevor Big Data, Algorithmen und "Fake News" unseren Alltag dominierten, wurde Navel.me als konzeptuelles Kunstexperiment ins Leben gerufen, um die Mechanismen von Online-Vertrauen und digitalem Bluffen zu untersuchen.
(Den ausführlichen Artikel finden Sie am Ende dieser Seite / veröffentlicht am 15. Mai 2026 / Ivo Meier, Schweiz)
Aufkommende Realitäten

Social Media erkunden - Ausstellung von Ivo Meier im Kunsthaus Zürich, 2010

Themen → Aufkommende Realitäten

Durch die Inszenierung fiktiver Ausstellungen und gezielte Social-Media-Interventionen wurde das Projekt zu einem Live-Testfeld für Identitätsdiebstahl und Desinformation.

Es zeigte sich, wie leicht sich vernetzte Identitäten manipulieren lassen, aber auch, wie unglaublich fragil diese künstlichen Illusionen werden, sobald sie kritisch hinterfragt werden.

Digitaler Hub

Die dynamische ASP-Seite: Das Web nach thematischen Daten durchsuchen.

Dynamisches Archiv → Digitaler Hub

Um diese Illusionen zu erden, programmierte ich eine massgeschneiderte, dynamische Webseite, die das Internet aktiv nach themenrelevanten Artikeln durchsuchte und als lebendiges Archiv fungierte.

Dieser Hub wurde zum Zielpunkt für jede physische Interaktion und verfolgte die digitalen Spuren, die hinterlassen wurden, wenn die physische Welt eine Brücke ins Digitale schlug.

Konzeptuelle Sonde

Nabelschau: Der physische Abdruck abstrakter Identität.

Intimes Objekt → Konzeptuelle Sonde

Im Zentrum standen Gipsabdrücke menschlicher Bauchnäbel – eine ironische physische Anspielung auf die Nabelschau. Einen solchen Abdruck zu halten, machte das abstrakte Konzept der Identität greifbar.

Begleitet von QR-Codes stellten sie die Kernfrage: Wie viel Glaubwürdigkeit verleiht ein berührbarer Abdruck einer flüchtigen Online-Behauptung?

Lebendiger Dialog

Das Buch: Taktile Seiten mit lebendigen Web-Umgebungen verbinden.

Gedruckter Knotenpunkt → Lebendiger Dialog

Um das gesamte Ökosystem zu verbinden, gestaltete ich ein handliches Buch, das Fotografien, kurze Texte und QR-Codes zusammenfasste.

Leser, die die Codes scannten, wechselten nahtlos vom Taktilen ins Temporale – und verwandelten eine statische, gedruckte Seite in einen lebendigen Dialog.

Phygitale Skulptur

Die Evolution: Übertragung der digitalen Erkenntnisse von 2009 auf heutige geometrische Formen.

Experiment von 2009 → Heutige Skulpturen

Navel.me war meine grundlegende Auseinandersetzung mit "phygitalen" Strategien. Heute ist diese frühe Faszination das Herzblut meiner bildhauerischen Arbeit.

Das rohe Experimentieren mit diesen wandskulpturartigen Bauchnäbeln entwickelte sich zur geometrischen Klarheit und Interaktivität meiner aktuellen 3D-gedruckten Kunst.

Ausführlicher Artikel

Im Jahr 2009, lange bevor Big Data, Algorithmen und "Fake News" unseren Alltag dominierten, wurde Navel.me als konzeptuelles Kunstprojekt ins Leben gerufen, um die Mechanismen von Online-Vertrauen und digitalem Bluffen zu untersuchen. Zu einer Zeit, in der das Tracking individueller Daten gerade erst zur neuen Währung des Internets avancierte, nahm das Projekt die massive Aggregation persönlicher Informationen und die latenten Risiken einer hypervernetzten Welt vorweg.

Um zu verstehen, wie Narrative online Wurzeln schlagen, inszenierte ich Plakate für Ausstellungen, die nie stattfanden, und orchestrierte kontrollierte Social-Media-Interventionen. Das Projekt wurde zu einem Live-Testfeld für Identitätsdiebstahl, Daten-Tracking und die Viralität von Fehlinformationen. Was mich am meisten überraschte, war die zweischneidige Realität dieses neuen Ökosystems: Vernetzte Systeme machten es erstaunlich einfach, Identitäten zu manipulieren, doch diese künstlich geschaffenen Illusionen wurden unglaublich fragil, sobald man sie kritisch hinterfragte. Es war eine rohe Demonstration darüber, wie Vertrauen im digitalen Raum hergestellt wird.

Um diese digitalen Illusionen zu erden, benötigte das Projekt einen zentralen Knotenpunkt. Ich programmierte eine massgeschneiderte, dynamische ASP-Webseite, die das Internet aktiv durchsuchte und reale Artikel zu den Kernthemen des Projekts sammelte. Diese Seite fungierte als lebendiges, sich ständig weiterentwickelndes Archiv. Sie wurde zum Zielpunkt für jede physische Interaktion innerhalb des Projekts und verfolgte die digitalen Spuren, die hinterlassen wurden, wann immer ein Betrachter die Brücke zwischen der physischen Welt und dem digitalen Hub schlug.

Im absoluten Zentrum dieses physisch-digitalen Zusammenspiels standen Gipsabdrücke menschlicher Bauchnäbel. Ich nutzte diese kleinen, intimen Objekte als ironische Anspielung auf die Nabelschau. Sie waren nie als Fetischobjekte gedacht, sondern vielmehr als konzeptuelle Sonden. Einen physischen Abdruck in den Händen zu halten, macht das abstrakte Konzept der Identität greifbar und gleichzeitig paradoxerweise fragiler. Begleitet von QR-Codes, die direkt zu den thematischen Daten im Archiv verlinkten, stellten die Abdrücke eine grundlegende Frage, die das gesamte Projekt verankerte: Wie viel Glaubwürdigkeit verleiht ein physischer, berührbarer Abdruck einer flüchtigen Online-Behauptung?

Um das gesamte Ökosystem zu verbinden, schuf ich ein bescheidenes, handliches Buch, das Fotografien, kurze Texte und die QR-Codes bündelte. Es fungierte als physischer Ankerpunkt innerhalb des grösseren digitalen Netzwerks. Leser, die die Codes scannten, bewegten sich nahtlos vom Taktilen ins Temporale – und verwandelten eine statische, gedruckte Seite in einen lebendigen Dialog zwischen dem Realen und dem Virtuellen. Jeder Scan hinterliess eine messbare Spur und bewies, dass physische Artefakte den digitalen Räumen, auf die sie verwiesen, eine unverdiente Glaubwürdigkeit verleihen konnten.

Rückblickend war Navel.me meine grundlegende Auseinandersetzung mit "phygitalen" Strategien – dem Berührungspunkt von Objekt und Netzwerk. Es war ein bescheidenes Experiment, aber sein innovativer, transformativer Charakter legte den Grundstein für meine gesamte künstlerische Entwicklung.

Heute ist diese frühe Faszination für die Überbrückung der digitalen und physischen Welt das Herzblut meiner bildhauerischen Arbeit. Das rohe, konzeptuelle Experimentieren mit diesen wandskulpturartigen Bauchnäbeln hat sich zur geometrischen Klarheit und Interaktivität meiner aktuellen 3D-gedruckten Kunst weiterentwickelt. Genau wie Navel.me den Übergang und die Manipulation von Identität erforschte, umarmen meine aktuellen Werke – mit ihren rollenden Kugeln und transformativen Formen – eine physische Interaktivität, die aus digitaler Präzision entsteht. Navel.me hat mich gelehrt, dass Kunst nicht nur in einer einzigen Sphäre existieren sollte; die wahre Magie geschieht im lebendigen Dialog zwischen virtuellem Design und physischer, taktiler Realität.

Lassen Sie den Dialog in Ihrem Raum weiterwirken

Jedes meiner Werke ist der Abschluss eines langen Weges. Meine Skulpturen sind auf Editionen von 5 limitiert. Zugleich ist jedes Werk der Beginn eines neuen Dialogs. — Ich lade Sie ein, diesen Kreis gemeinsam zu schliessen.